Neben den vielen schönen Dingen, die wir erleben dürfen, gibt es auch ein paar alltägliche Sachen, denen wir uns immer wieder widmen müssen. Regelmässig kümmern wir uns darum wo wir schlafen werden, wie wir unsere Wäsche waschen, oder wo wir unsere Haare schneiden können.
Haare schneiden auf Reisen, das ist so eine Sache… Grundsätzlich drängt sich bei kurzen Haaren ein Coiffeur Besuch natürlich öfters auf, als bei langen Haaren. Lange Haare lassen sich ja auch einfach mal für länger zusammenbinden. Ausser die Franseln…. darum habe ich vor unserer Abreise extra einen Termin bei einer Coiffeusen-Freundin vereinbart, damit sie mir die Basics des Franseln-Schneidens zeigt. Ich habe gelernt, die Franseln weder mit Finger noch mit Kamm festzuhalten (sonst gibt es unerwünschte Stufen) und die Schere nie horizontal zu halten! Entweder wird im 45 Grad Winkel geschnitten oder vertikal, wenn es ums Ausdünnen geht. An diese Ratschläge habe ich mich die letzten 4 Monate sorgfältig gehalten und war gar nicht so unzufrieden mit meinem gewollt asymmetrischen Fransenschnitt. – Den man zugegebenermassen nie wirklich sieht, da meine Haare ausserhalb des Hotels meistens entweder vom Winde verweht oder von Schweiss verklebt sind.
In Kathmandu haben wir aber eigentlich nach einem Coiffeur für Pascal gesucht. Wie gesagt, kurze Haare brauchen öfters einen Schnitt. Der letzte Coiffeur Besuch in Ulaanbaatar verlief mit 20-Minuten Massage und 2 Mal 3erlei Waschrunden mit Duftwässerchen eher ausserhalb der Komfortzone für jemand der normalerweise für Haare einfach eine Seife verwendet – so wie es wahrscheinlich viele Männer halt tun Somit war der Besuch in Kathmandu mit viel Überwindung verbunden. In der engen Gasse in der sich unser Hotel befand, liefen wir also mehr oder weniger freiwillig einem Coiffeur in die Arme. 200 Rupees wollt er für den Haarschnitt, was umgerechnet 2 CHF entspricht. Das klang vernünftig für nepalesische Verhältnisse.
“Schnipp-Schnipp” doch der Mann kann mit einer Schere umgehen. Nach vielleicht 20 Minuten war er fertig. Pascals Haare waren kürzer und auch fast gleich lang auf beiden Seiten des Kopfs. Doch das sieht gar nicht schlecht aus und eine Rasur gab es erst noch obendrauf.

Ich stand auf, schon bereit zu gehen, als der Coiffeur mich fragte: And you, haircut? Ich winkte ab. Dann sagte er “Just the front a little bit”. Und ich dachte, ja warum nicht, er kann mir ja die Franseln etwas nachschneiden.
So setze ich mich hin und schliesse voller naivem Vertrauen die Augen, damit ich die Haare nicht in die Augen kriege. Ich fühle wie meine Franseln mit einem Kamm fixiert werden und die Schere horizontal an meiner Stirn angesetzt wird… “ratsch” mit einem kräftigen Schnitt sind meine asymmetrischen Franseln Geschichte….. obwohl, ganz stimmt das nicht: Irgendwie asymmetrisch sind die Franseln immer noch, aber jetzt im Abstand zu meinen Ohren….
Eigentlich dachte ich, er schneidet mir nur die Franseln. Enthusiastisch ging er jedoch auch den Rest an. Ich bin sicher, für Männerhaarschnitte macht er seine Sache gut, aber es scheint mir mit langen Haaren hat er noch nicht so viel Erfahrung. Von meinen langen Haaren nahm er jeweils einen Strang und “ratsch” schnitt ein Stück ab…. ja so ungefähr gleichlang sind sie schon… irgendwie… – lange Haare lassen sich ja aber zum Glück zusammenbinden…
Das war aber noch nicht das Ende. Ich frage mich selbst wie es dazu kam, dass er mich was fragte und ich jedes Mal dachte “ja warum denn nicht” … So ging es vom Haare waschen, zum Haare trocknen und zum schmerzhaftesten Kämmen, das ich je erlebt habe über zu einer Rücken- und Armmassage, die gekonnt aber knapp an der Schmerzgrenze verlief, weiter zu einer Gesichtspeelingkur mit einer Schleifmaschine die mich (übertrieben gesagt) an die Werkstatt meines Vaters erinnerte….
Schlussendlich verliessen wir den Salon nach 2 Stunden, anstatt den 20 Minuten für Pascals Haarschnitt, nach einer Massage, einer Gesichtskur und einem Haarschnitt anstelle einem simplen Franseln-Kürzen und natürlich zu einem deutlich höheren Preis als vorgesehen. Aber für schweizer Verhältnisse sind wir noch immer sehr gut weggekommen, trotz dem Trinkgeld, das wir ihm gegeben haben
Übrigens haben wir nun in der Gasse unseres Hotels etliche Freunde. Von den Hotelbesitzern, zur Dame die unsere Wäsche gewaschen hat und dabei mein Lieblingsstück auf der Wäscheleine vergass hin zum Coiffeur der uns seither mit einem breiten Lächeln zu winkt.
Schön schön
Hahaha, ich lach mich platt
glaub ich, dass der euch jetzt immer winkt
Vermisse die ‘nachher’ Fotos von euch zwei Hübschen 
Hihi, die gibt es offiziell auch nicht